Reise

Wiedergeburt einer
Ikone Singapurs

Das Raffles in Singapur hat vieles gesehen: Tiger, japanische Besatzer, berühmte Schriftsteller und mehr als einmal Elizabeth Taylor. Nach einer millionenschweren Renovierung und einer weltweiten Pandemie ist die Hotelikone bereit für ein neues Kapitel ihrer Geschichte.

VON HOLGER CHRISTMANN
5. August 2021
Teakholz und viel Grün: Die Veranda des Raffles umgibt tropisches Flair. Foto: Raffles Hotels Singapore

Eine Cocktail-Bar, in deren Regalen Bücher neben Gin- und Whiskeyflaschen stehen, ist Singapurs neueste In-Location. An dem spiegelnden Tresen aus massivem Messing trifft sich junges, schickes Publikum zum After-Work-Drink. Die Writers Bar des Hotel Raffles feiert Schriftsteller, die sich von diesem Haus inspirieren ließen, Rudyard Kipling, William Somerset Maugham, Ernest Hemingway. Sogar die Drinks sind nach Literatur benannt. So der Million Dollar Cocktail, der aus Ananas, süßem Wermut, Grenadine, Gummi arabicum, Limone, Eiweiß und Angostura gemixt wird. Somerset Maugham erwähnte ihn in seiner Kurzgeschichte Der Brief (1926). Die vergrößerte Cocktail-Bar ist nur eine der neuen Attraktionen, die das legendäre Luxushotel in Singapur seit seiner Modernisierung 2019 bietet. Und sie ist nicht einmal der berühmteste Tresen des Hotels. Noch bekannter ist die Long Bar. Hier soll der Bartender Ngiam Tong Boon 1915 den Singapore Sling erfunden haben. Das Getränk, das optisch einem analkoholischen Fruchtpunch ähnelt, erlaubte damals auch Frauen, an der Bar unauffällig Alkohol zu trinken. 

Neue Attraktion im Nachtleben der Weltstadt: Die Writers Bar ist den Schriftstellern gewidmet, die das Raffles Singapore bewohnten, von William Somerset Maugham bis James A. Michener. Foto: Raffles Hotel Singapore

In der Long Bar darf der Gast auch seine Erdnussschale auf den Boden fallen lassen – in einer Stadt, in der das achtlose Wegwerfen von Dingen im öffentlichen Raum mit empfindlichen Geldstrafen belegt wird, eine Kuriosität. Angeblich geht die Erlaubnis auf das neunzehnte Jahrhundert zurück, als das Hotel von Erdnussplantagen umgeben war. Deren Besitzer ließen zuhause Erdnussschalen fallen – eine Gewohnheit, die sie auch im Raffles nicht ablegten. Anekdoten wie diese sprachen sich herum und sorgten dafür, dass das Hotel Raffles Singapurs bekannteste Adresse wurde.

Die Gründer
waren Armenier
aus Isfahan

Fest steht: Kaum eine Institution ist mehr mit dem Aufstieg des Inselstaats verbunden als dieses. Die Gründer der Raffles, die Sarkies-Brüder, waren armenische Hoteliers aus dem persischen Isfahan. 1885 eröffneten sie in Georgetown auf der Insel Penang (damals britische Kronkolonie, heute im Staat Malaysia gelegen) das elegante Eastern & Oriental Hotel (E&O). Tigran Sarkies, einer der Brüder, glaubte an das Potential von Singapur. Immerhin führte der kürzeste Seeweg zwischen Fernost und Europa direkt an der jungen Handelsmetropole am Südzipfel der malaiischen Halbinsel vorbei. Die Lage lud zu einem Zwischenstopp ein, um Kohle und Waren zu laden. Schon damals begann der touristische Aufstieg Singapurs. 1869 war der Suez-Kanal eröffnet worden. Er hatte die Reisezeit zwischen Europa und Asien mehr als halbiert. Nachdem Thomas Cook, ein englischer Baptistenprediger, gleich mehrere Reiseerleichterungen erfunden hatte, die Pauschalreise, die organisierte Weltreise, den Reisescheck und den Hotelcoupon, waren sogar Weltreisen für vermögende Menschen möglich geworden. Singapur profitierte davon: „Singapur ist ein Kreuzungspunkt, wo alle, die reisen, halten müssen, um zu sehen, was für einen erstaunlichen Ort britische Energie in weniger als einem halben Jahrhundert aus dem Dschungel gestampft hat“, notierte die amerikanische Journalistin Eliza Scidore. Besucher bewunderten „die stattlichen Geschäftshäuser, hübschen Banken, lange eiserne Pavillons, die auf den täglichen Märkten für Schatten sorgen und Straßen, die umrankt sind von üppigem Grün. Nicht minder faszinierend war die kosmopolitische Bevölkerung, die in Turbans, Sarongs, Saris und anderen exotischen Kleidern gewandet war“, schreibt die Historikerin Gretchen Liu. 

Einen „Traum an Whiteness, wie eine große Hochzeitstorte“ nannte der britische Dichter James Kirkup das Raffles in Singapur. Nach der Renovierung strahlt es jetzt noch heller. Foto: Raffles Hotel Singapore

Die Sarkies-Brüder benannten ihr Grand Hotel nach dem Mann, der die Grundlage für dieses Wunder an der Südspitze der malaiischen Halbinsel geschaffen hatte: Thomas Stamford Raffles (1781-1826). Wer war dieser Mann, dessen Name bekannter ist als sein bewegtes Leben? Raffles war ein leidenschaftlicher Entdecker. Seit seiner Jugend war er für die britische Ostindien-Kompanie tätig, unter anderem als ihr Vertreter im von den Niederlanden beherrschten Malacca. Er lernte Malaiisch und galt auch sonst als ungeheuer wissbegierig. Später sollte er die erste englischsprachige Geschichte Javas verfassen. Außerdem studierte er die Botanik und Zoologie Südostasiens. 

Sie gründeten das Raffles-Hotel: die Sarkies-Brüder. Vorher hatten sie schon das noble E&O in Penang eröffnet. Auch das gibt es heute noch. Foto: Raffles Archive
Zum 130. Geburtstag feierte das Hotel seinen Namensgeber: den britischen Kolonialbeamten Thomas Stamford Raffles. Foto: Raffles Hotel Singapore

Raffles spielte eine wichtige Rolle auf den asiatischen Nebenschauplätzen der Napoleonischen Kriege zwischen England, Frankreich und den Niederlanden. Er überredete die Royal Navy 1811 dazu, den Niederlanden die Insel Java abzuluchsen. Die Eroberung gelang, Raffles wurde mit dem Posten des Lieutenant-Gouverneurs von Java belohnt. Doch der Triumph währte nur bis zum Ende der Napoleonischen Kriege, als England die eroberten Gebiete an die Niederlande zurückgab. Raffles bekam zwar einen neuen Posten auf der malaiischen Halbinsel, mit der jedoch unzufrieden war. Auf seiner Suche nach lohnenswerten Handelsposten für die britische Krone entdeckte er 1819 die dünn besiedelte Insel Singapura (Singa=Löwe, pura=Stadt). Sie war bislang von keiner Kolonialmacht beansprucht, und der Herrscher des benachbarten Sultanats Johor schien sich kaum für sie zu interessieren. Raffles erkannte ihre glänzende strategische Lage. Er spielte geschickt verschiedene Rivalen um die Macht im Sultanat Johor gegeneinander aus und handelte einen Vertrag aus, der den Briten die Errichtung eines Handelsposten auf der Insel ermöglichte. 1819 wurde Singapur britische Kronkolonie. Auf dem Reißbrett ließ Raffles eine neue Stadt entwerfen – und legte damit den Grundstein für den erfolgreichen Stadtstaat, den wir heute kennen. Die Feiern zum 200. Jahrestag der Stadtgründung waren 2019 von Debatten über Raffles und die Kolonialzeit überschattet. Premierminister Lee Hsien Loong stellte klar: „Wäre Raffles nicht gelandet, wäre Singapur wohl nicht der einzigartige Platz in Südostasien geworden, sehr anders als die Staaten in dem Archipel um uns herum oder die Staaten der malaiischen Halbinsel. Aber wegen Raffles wurde Singapur britische Kolonie, ein Freihafen und eine moderne Stadt.“

Kipling
mochte (nur)
das Essen

Das Hotel Raffles eröffnete am 1. Dezember 1887 als Bungalow mit zehn Zimmern. Zu den ersten Gästen gehörte Rudyard Kipling. Er schrieb in From the Sea to the Sea (1899): „Die Vorsehung brachte mich an einen Ort namens Raffles Hotel wo das Essen exzellent ist und die Zimmer schlecht sind.“ Kipling empfahl: „Let the traveller take note: feed at Raffles and sleep at Hotel de l’Europe.“ In punkto Komfort war Luft nach oben: 1899 wurde der prächtige weiße Bau im Neo-Renaissance-Stil errichtet. Ähnlich wie das E&O und der kurz zuvor fertiggestellte Regierungspalast von Singapur bekam er ein strahlend weißes Fassadenkleid. Der britische Dichter James Kirkup nannte es später „einen Traum an Whiteness, wie eine große Hochzeitstorte“. Das Hotel war Early Adopter neuer Technologie: Es besaß als erstes Gebäude in Singapur elektrisches Licht. Nachts war es eindrucksvoll erleuchtet. Das Raffles war Tag und Nacht das erste, was ankommende Schiffspassagiere von Singapur sahen.

Der Anspruch des Hotels war kompromisslos: „Please remember, we are no better than the best, but better than the rest”, lautete sein Werbeslogan. Es beschäftigte den ersten französischen Küchenchef Singapurs. Kiplings Tipp, im Raffles zu speisen, richtete sich jedoch nicht an Raubkatzen.

1902 versteckte sich ein verirrter Tiger unter dem Bar & Billiard Room. Der Leiter einer nahegelegenen Schule rückte angetrunken mit seiner Flinte an. Nach mehreren Fehlschüssen erlegte er das Tier. Was heute Tierschützer auf den Plan rufen würde, sorgte damals für Erleichterung. Die Menschen in Singapur waren noch im neunzehnten Jahrhundert täglich Angriffen von Tigern aus dem nahen Dschungel ausgesetzt. Die Behörden setzten eine Belohnung auf erlegte Wildkatzen aus. Heute sind malaiische Tiger in Singapur nur noch im Zoo zu sehen. Als im Februar 2021 im Zoo der Löwenstadt erstmals nach 23 Jahren wieder ein Tiger-Baby geboren wurde, war das ein Ereignis. Auch im benachbarten Malaysia gibt es nicht mehr viele Exemplare dieser bedrohten Art. Ihre Zahl wird auf 150 geschätzt. 

William Somerset Maugham (r.) und sein Agent, aufgenommen in den 1950er-Jahren im Raffles Singapur. Foto: Raffles Archive

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war das Raffles die beste Adresse Singapurs. Jeder Staatsgast oder Prominente übernachtete hier. Die Gästeliste verzeichnet den König von Siam, Kaiser Wilhelm II. und den englischen Thronfolger Edward. Schriftsteller hatten ein besonderes Faible für das Hotel: Somerset Maugham schrieb, das Hotel stehe für „alle Fabeln des exotischen Ostens“. In den 1930er-Jahren kam Noël Coward mit seinem Reisebegleiter Jeffrey, Lord Amherst. Die Hollywoodstars Mary Pickford und Douglas Fairbanks trafen ein. Die Elite der Stadt gab ihnen 1929 einen großen Empfang. Charlie Chaplin stieg zweimal im Raffles ab, einmal auch mit seiner Frau, der Schauspielerin Paulette Goddard.

Liz Taylors
Kleid saß
zu eng

Im Februar 1942 brach für das glückliche Singapur ein dunkles Kapitel an, als die japanische Armee den Inselstaat eroberte. Die Royal Navy hatte Singapur von See gut befestigt, allerdings fehlte aufgrund der vielen Kriegsschauplätze Personal. Die Japaner trafen auf wenig Widerstand, als sie die Stadt von der Luft und über den malaiischen Landweg angriffen, übrigens mit Panzern und auf Fahrrädern. Der britische Historiker Anthony Beevor schreibt: „Im Hotel Raffles in Singapur konnte man nach wie vor an den meisten Abenden gut essen und tanzen gehen … Auf Offiziere, die von den Kämpfen auf der Halbinsel Malaya zurückgekehrt waren, wirkte das jedoch wie die Begleitung der Musikkapelle auf der Titanic.“ Die Japaner regierten grausam. Sie misstrauten der multikulturellen Bevölkerung der Stadt und verfolgten vor allem die große chinesischstämmige Gemeinde, der sie anti-japanische Ressentiments unterstellten. Das Raffles war fortan Japanern vorbehalten. Die Besatzer benannten es in Syonan Ryokan (Hotel Licht des Südens) um. Angestellte hatten rechtzeitig einen Servierwagen aus Sterling-Silber im Garten verbuddelt, in der Furcht, die Eroberer könnten ihn stehlen. Nach dem Krieg gruben die Überlebenden ihn wieder aus. Am 15. August 1945 kapitulierte Japans Kaiserliche Armee. Angeblich tranken japanische Offiziere im Raffles ihren Abschieds-Sake ebenfalls im Raffles Hotel, bevor sie dann zum Seppuku schritten, dem rituellen Selbstmord. Der Historiker Norman Davies kolportiert die Anekdote im fabelhaften Singapur-Kapitel seines Buchs Ins Unbekannte. Eine Weltreise in die Geschichte.

Elizabeth Taylor 1957 mit Ehemann Mike Todd (rechts) auf einer Gala im Raffles in einem Kleid, das einen Streit zwischen der Diva und der Designerin auslöste. Foto: Raffles Archive

Zunächst übernahm das britische Militär wieder die Verwaltung der Stadt. Allerdings war in der Stunde Null auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Kolonialmacht auf den Nullpunkt gesunken, war sie doch nicht in der Lage gewesen, Singapur zu verteidigen. Fortan wollte sich Singapur selbst beschützen. Ab 1955 entließen die Briten Singapur allmählich in die Selbstverwaltung. Nach einer kurzen Episode als Teil der Föderation von Malaysia, wurde der Inselstaat 1965 unabhängig. Seither scheint Singapurs Aufstieg unaufhaltsam. In einer Generation schaffte es den Sprung vom Entwicklung zum Entwicklungsland zur Industrienation. Heute ist es der Stadtstaat Technologie-Champion und globales Finanzzentrum. Das monatliche Haushaltseinkommen betrug vor Corona im Durchschnitt fast 7000 Euro. In Deutschland lag es 2019 bei 4700 Euro.

Das Raffles zog schon kurz nach Kriegswende wieder die Klientel an, für die es berühmt war, darunter Schriftsteller und Intellektuelle. James A. Michener prägte den Satz: „Jung sein und ein Zimmer im Raffles zu haben, war das Leben von seiner besten Seite.“ Auch Frankreichs Kulturminister André Malraux war häufiger Gast im Raffles. Auch die Filmstars kehrten zurück, von Ava Gardner bis Elizabeth Taylor. Die Filmdiva kaufte 1957 anlässlich einer Gala  im Raffles bei der Designerin Doris Geddes ein Kleid. Die gebürtige Australierin betrieb im Raffles ihren international bekannte Boutique The Little Shop. Geddes soll Taylor gewarnt haben, dass das Kleid, das sie sich aussuchte, zu eng sitze. Taylor bestand darauf, dass es passte, aber Geddes sollte recht behalten. Im Nachhinein soll es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen gekommen sein. Pflegeleichter war da Königin Elisabeth II, für die das Raffles mit seiner imperialen Geschichte die natürliche Anlaufstelle in Singapur war und ist – genauso wie für Prinz William und Herzogin Kate.

1987 erklärte die Regierung das Raffles Hotel zum nationalen Denkmal. Unter der ersten weiblichen Direktorin wurde es 1989 für zwei Jahre geschlossen und aufwändig saniert. Danach ging es mit dem Raffles wieder steil bergauf.

Comeback mit
Sterneköchen und
neuem Design

Im März 2019 startete der heutige Direktor, Christian Westbeld, erneut eine viele Millionen Euro teure Renovierung. Die Immobilie inzwischen Investoren aus Katar. Ziel der Modernisierug war es, die Relevanz des Raffles für die Stadt und die einzigartige historische Identität des Hotels zu stärken. Das beginnt bei der Kulinarik. Gleich drei Spitzenköche geben jetzt im Raffles ihr Singapur-Debüt: Alain Ducasse bespielt den historischen Bar & Billiard Room. Die Sterneköchin Anne-Sophie Pic, die durch ihr Restaurant in Valance an der Rhône bekannt wurde, führt das La Dame de Pic (ein Wortspiel mit dem französischen Ausdruck für Pikdame, La Dame de Pique). Für zeitgenössische chinesische Kulinarik und traditionelle kantonesische Kochkunst steht das Restaurant yì by Jereme Leung. Leung verspricht „weder Fusion, noch East-Meets-West, sondern einen Versuch, die Essenz lokaler Küchentraditionen aus ganz China einzufangen“. 

Die französische Sterneköchin Anne-Sophie Pic betreibt im Raffles das Restaurant La Dame de Pic. Der Kronleuchter spielt mit dem Motiv der Pikdame. Entworfen wurde er von der New Yorker Designerin Alexandra Champalimaud. Gefertigt hat ihn der tschechische Kristallhersteller Preciosa. Foto: Raffles Hotel Singapore
Noch ein Neuzugang im Raffles: Jereme Leung will in seinem Restaurant yí „die Essenz lokaler Küchentraditionen aus ganz China einfangen“. Foto: Russel Wong/Raffles Hotel Singapore
Wo gibt es das sonst: Pizza von einem weltbekannten Küchenchef? Das Raffles macht’s möglich: Alain Ducasse serviert im BBR by Alain Ducasse mediterrane Küche. Foto: Russel Wong/Raffles Hotel Singapore

Neue Akzente im Interieur setzte die New Yorker Designerin Alexandra Champalimaud. Eines ihrer Stilmittel sind auffällige Kronleuchter. Über der Lobby hängt ein vier Meter hohe und fünf Meter breiter, von der Lotusblume inspirierter Leuchter. Champalimaud ließ ihn vom tschechischen Kristallhersteller Preciosa anfertigen. Die Künstler aus Böhmen schmückten ihn mit lotustürmigen Blumen aus Kristall und mit achteckigen und mandelförmigen Verzierungen aus Kristall und Onyx.

Die Karte zeigt, was wo zu finden ist: von der Long Bar bis zum Starkoch-Restaurant. Grafik: Raffles Hotel Singapore

Für Anne-Sophie Pics Restaurant orientierten sich Preciosa und Champalimaud an der Spielkarte Pikdame. Von dem Kronleuchter baumeln mit satiniertem Messing überzogene Metallscheiben, die mit dem Spielkartenmuster der Pik-Karte und mit LED-Lichtleisten verziert sind. Die Doppel-Metallscheiben sehen aus wie überdimensionale Manschettenknöpfe. Champalimaud stellte außerdem einen Raumteiler aus fast zweihundert Metallwürfeln sowie aus mattiertem und verspiegeltem Glas auf. Für die Gestaltung des Tiffin-Rooms suchte die Designerin nach typisch indischen Lunch-Boxen (Tiffin Boxes) und verteilte sie auf riesigen goldschimmernden Service-Trolleys.

Erweitert wurde die Einkaufs-Arkade des Raffles. Dort sind das modernisierte Raffles Spa, die Raffles Boutique, der Kamerahersteller Leica und der Uhrenhändler The Hour Glass zu finden. Neu hinzugekommen sind die Möbelmarke Minotti, der Concept Store AC Boutique und der Co-Working-Space The Great Room.

Hier wurde der Singapore Sling erfunden: Long Bar im Raffles. Foto: Raffles Hotel Singapore

Auch Long Bar und Writers Bar sind Teil der Arkade. Seit der Wiederöffnung 2019 legte das Hotel ein Writers-in-Residence-Programm auf und hofft, dass Autoren der Aufenthalt im Raffles zu literarischen Werken inspiriert. Ein Kaliber wie Somerset Maugham war zwar noch nicht dabei, zuletzt aber die neuseeländische Autorin Vicki Virtue. Ihr Roman The Raffles Affair erschien im April bei Random House. Wie er die Leser fesselt, wissen wir nicht. Der Chef-Bartender des Raffles, Nicholas Alexander, fand ihn offenbar inspirierend und ließ sich von den Charakteren des Buchs zu Cocktails inspirieren.

Crazy Rich Asians
löste einen
Boom aus

Keine Fiktion hat zuletzt mehr für Singapur getan als Kewin Kwans Roman Crazy Rich Asians. Der 48-Jährige Schriftsteller ist in Singapur geworden, stammt selbst aus einer reichen Familie und erzählt vom ausschweifenden Leben der Superreichen der Stadt. Nachdem der Roman auch noch verfilmt worden war, erlebte Singapur einen Tourismusboom mit Hotelauslastungen von 87 Prozent. Crazy Rich Asians zeigt, wie sehr Südostasien heute seine eigenen Erfolgsgeschichten schreibt – wenn auch Hollywood bei der Verfilmung nachgeholfen hat. Der Streifen zelebrierte die neue Stadtsilhouette an der Marina Bay mit dem ArtScience-Museum, den Supertree-Gärten und dem Marina Bay Sands Hotel mit seinem 146-Meter langen Dachpool. Die Macher von Crazy Rich Asians drehten aber auch im Raffles: in der Presidential Suite, auf der Veranda und im Drawing Room des Hotels.

Stilvolle Oase inmitten von Hochhäusern: der renovierte Pool-Bereich des Raffles. Foto: Raffles Hotel Singapore

Wer die Attraktionen der Marina Bay erkundet hat, genießt es, dem Rummel zu entkommen und ins Raffles zurückzukehren, das um die Ecke liegt. Mit seinem tropischen Garten und seiner Ruhe fühlt es sich an, als würde man eine Oase der Entspannung inmitten der geschäftigen Stadt betreten. Edle Teakholzböden und -vertäfelungen wirken, als wandele man durch eine Romankulisse von Somerset Maugham. Wer diese Atmosphäre der Kolonialzeit sucht, ohne auf den neuesten Komfort zu verzichten, ist im Raffles wieder am besten aufgehoben. Auch wenn es rund um die Marina Bay neue Luxushotels um anspruchsvolle Gäste werben. In punkto Eleganz, Flair und Kulinarik ist das Raffles nach der Renovierung wieder Singapurs erste Adresse.

© Holger Christmann

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